Wie physiologisch ist Kants kritische Philosophie?

Annäherungen an ein schwieriges Verhältnis

Authors

  • Rudolf Meer University of Siegen

DOI:

https://doi.org/10.19283/lph2024.753

Keywords:

Critique of Pure Reason, Physiology, Anthropology, Psychology, Natural History

Abstract

Der Begriff ‚Physiologie‘ tritt bei Kant in einer Vielzahl von Verwendungsweisen auf, insbesondere aber als ‚rationale‘ und ‚empirische Physiologie‘. Stellt die erste ein zentrales architektonisch lokalisierbares Lehrstück der Kritik der reinen Vernunft dar, bildet zweitere ein wichtiges Konzept der empirischen Naturforschung. Erstaunlich ist dabei, dass – trotz einer Vielzahl von Detailuntersuchungen – der Begriff der Physiologie in seiner systematischen Funktion und seinen vielseitigen Ausprägungen bisher unterbelichtet geblieben ist. Der vorliegende Beitrag nähert sich dem Begriff ausgehend von der Kritik der reinen Vernunft an und versucht, dessen umfassende Funktion systematisch zu rekonstruieren. Dabei wird argumentiert, dass durch die Breite des Physiologie-Begriffes sowohl der transzendentale und kritische als auch der empirische und historische Bereich von Kants Denken gedeckt wird und sich folglich die zentralen Distinktionen (wie Naturgeschichte / rationale Naturwissenschaft, empirische / transzendentale Apperzeption etc.) von ihm ausgehend rekonstruieren lassen. Nicht nur die Kritik der reinen Vernunft ist folglich ‚physiologisch‘, sondern das gesamte kritische Denken Kants – allerdings in einer seiner Spezifizität oft missverstandenen Weise.

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Published

27.12.2024